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Worum es geht: Sie finden hier 12 Top Newsletter-Metriken, unsere 4 Top Favoriten, die sie im Auge behalten sollten, die 2021 Trends im E-Mail Newsletter-Marketing und wie wichtig Benchmarks sind.

Übrigens, den ultimativen Newsletter-Metrics-Guide mit Best Practice-Tipps gibt weiter unten als pdf Datei zum Herunterladen.

Dies ist der DRITTE Beitrag in einer Serie von 5 Beiträgen zu den Trends im Online Marketing, Sales und Analytics sowie Cybersecurity und Datenschutz:

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Die ersten Herausforderungen

Internet wird von vielleicht 25 % (z.B. Kosovo) bis zu mehr als 90% der Bevölkerung (z.B. Dänemark) genutzt (siehe Eurostat). Über 40 % der Empfänger überfliegen eine E-Mail in weniger als 8 Sekunden (Email Attention Spans Increasing, Litmus, 2017) und haben sich in dieser Zeit bereits ein Urteil über die Relevanz des Inhalts gebildet.

Ein B2C-Newsletter mit den Tages- oder Spezialangeboten spricht eine andere Zielgruppe an als ein B2B-Newsletter zum Thema Solarenergie.

Ihre ersten Gedanken sollten sich Ihrer Zielgruppe widmen. An wen, über was, wann am besten – wann liest meine Zielgruppe wahrscheinlich ihre E-Mails, auf welchem Gerät, welches Format ist ansprechned. Darauf gibt es genauso viele Antworten wie viel es Zielpublikums-Gruppen gibt.

Zeit der Postzustellung – Business Content

In der D-A-CH Region lesen die Abonnenten den Newsletter mit Bezug zu deren Arbeitsgebiet meist am Arbeitsplatz. Samstags und Sonntags werden kaum E-Mails gecheckt, Montags ist das Postfach zu voll (keine Zeit) und Freitags sind die Gedanken vielleicht schon woanders.
8-11 Uhr ist oft ein gutes Zeitfenster. Beispielsweise beim drkpi Newsletter funktioniert 8:45 Uhr sehr gut. Die Wahrscheinlichkeit, dass die neue E-Mail innerhalb von 60 Minuten angeschaut wird, ist hoch.
Fakt: 21% von versendeten E-Mails werden innerhalb von 60 Minuten nach deren Erhalt vom Empfänger geöffnet.

Wann ist die beste Zeit um Newsletter zu versenden: Freitag um 8 Uhr?
Wann ist die beste Zeit zum Versenden Ihres Newsletters? Es kommt drauf an…

Die besten Öffnungsraten in der D-A-CH Region werden Freitags um 8 Uhr erreicht. Doch aufgepasst, Hobbies eher Sonntags.

Wichtig ist auch zu bedenken, dass die verschiedenen Anbieter nicht die gleichen Daten liefern. Zum Beispiel sind die Öffnungsraten, welche Litmus publiziert (siehe Grafik unten) viel kleiner als diejenigen von Get Response.

Entscheidend ist, dass bei beiden die Kennzahlen darauf hinweisen, dass 8 Uhr – 9 Uhr morgens eine gute Zeit ist, den Newsletter zu versenden.

DE Öffnungsraten für eMail Newsletters 2020 - Litmus
Deutschland’s Öffnungsraten und -Zeiten für E-Mail Newsletter 2020 – Litmus

Ob Daten von Adobe, Salesforce, GetResponse, Litmus usw., sie vermitteln uns je nach Land einen Trend. In der D-A-CH Region werden Geschäftsmails über das Wochenende eher selten geöffnet, im Gegensatz z.B. zu Korea oder Kanada/USA.

Ob 8:30 Uhr oder aber 15:45 Uhr am Mittwoch oder Donnerstag für Sie gute Zeiten sind, sollten Sie ganz einfach ausprobieren.

Aufmerksamkeit

Die grösste Herausforderung im E-Mail-Marketing ist der Wettbewerb um Aufmerksamkeit im Posteingang. Betreffzeile und Vorschautext sind deshalb sehr wichtig.

Attraktivität

Locken Sie so viele Leser wie möglich zum Öffnen des Newsletters (E-Mail anklicken) und machen Sie dessen Studium attraktiv (d.h. übersichtlich, visuell ansprechend).

Mehrwert

Bieten Sie den Lesern Mehrwert. Dieser sorgt dafür, dass die Leser den Newsletter weiterhin wollen und die beinhalteten URLs anklicken.

2021 Trend 2: 10 top Newsletter Metrics
2021 Schlüssel zum Erfolg: Wählen Sie die für sie relevanten Kennzahlen und verfolgen Sie den Trend über das Jahr hinweg.

Besten Newsletter-Metriken für die Erfolgskontrolle

Wir stellen Ihnen unten die besten Metriken und KPIs für E-Mail Newsletter vor. Für die 3 bekanntesten haben wir gleich eine Tabelle mit Vergleichszahlen zusammen gestellt.

E-Mail Provider /Kennzahl ErstellerOpen-Rate
(OR)
Click-Through-
Rate
(CTR)
Click-to-Open-
Rate
(CTOR)
Mailchimp (2019)15.68 % E-Commerce
21.77 % Construction
2.01% E-Commerce
2.26 % Construction
12.81% E-Commerce
10.38% Construction
Get Response (2019)26.84% Europe4.35 % Europe16.22% Europe
SuperOffice (2020)29 % CH
16 % Benelux
18 % CH
20 % Benelux
Linchpin (2020)15.66 % E-Commerce
21.01 % Construction
2.07 % E-Commerce
2.03 % Construction

drkpi (2020)27 – 39 %3.0% – 6.9%ca. 9 – 14.27 %
Je nach Mailservice-Anbieter werden ganz unterschiedliche Kennzahlen rapportiert

Quelle: Anbieter und drkpi® Berechnungen. Die Daten werden nicht anhand der einzelnen Länder aufgeschlüsselt. Oft sind die Definition der Benchmarks nicht genau dieselben.

Open Rate / Öffnungsrate

Öffnungsrate oder Open Rate ist der Prozentsatz der einzelnen Öffnungen im Vergleich zur Gesamtzahl der an Ihre Mailingliste zugestellten Nachrichten. Die Open Rates geben Aufschluss darüber, wie gut unsere Betreffzeile und Vorschautext das Interesse beim Leser wecken.

3 Dinge sind wichtig, um die Öffnungsrate möglichst hoch zu halten:

  • E-Mail-Betreffzeile: Eine kurze und knackige Betreffzeile sagt dem Empfänger, was er im Inhalt erwarten kann.
    Eine niedrige Öffnungsrate (Open Rate) kann bedeuten, dass Ihre Betreffzeilen zu allgemein gehalten sind und in den überfüllten Posteingängen Ihrer Kontakte nicht hervorstechen.
  • E-Mail-Vorschautext: Ist eine Handvoll Wörter, die dem Empfänger mehr darüber verraten, was in der E-Mail enthalten ist.
  • Reputation des Senders: Abonnenten erwarten E-Mails von Ihrem Unternehmen. Solange Absendername und die Domain den Namen Ihres Unternehmens anzeigen, wie z.B. XYZ@drkpi.com, ist dies in Ordnung.

Click-Through Rate / Klickrate

Click-Through-Rate (CTR): die Anzahl der Personen, die auf den Link Ihrer Nachricht geklickt haben, gemessen an der Gesamtzahl der E-Mails. Die Klickrate zeigt uns, inwiefern die Inhalte im Newsletter das Interesse unserer Leser für mehr Informationen weckt

Open rate - click rate - industry average: Newsletter Kampagnen von drkpi®
Open rate – Durchschnitt in der Referenzgruppe = 10%. drkpi® hat 28-40 % Open Rate für Newsletter-Kampagnen

Click-to-Open Rate (CTOR)

Open-Rate wie auch die Click-Through-Rate sind wichtig. Aber wir dürfen eine Schlüsselkennzahl, welche die Gesamteffektivität einer E-Mail-Kampagne messen soll, nicht vergessen: Die Click-to-Open Rate.

Click-to-Open-Rate (CTOR) ist der Prozentsatz der Abonnenten, die auf etwas in der E-Mail geklickt haben, im Verhältnis zur Anzahl der geöffneten E-Mails. Mit anderen Worten: Wie viele der Abonnenten, die die E-Mail öffneten, haben tatsächlich etwas in der E-Mail angeklickt? Wenn 400 Personen eine Email erhalten und 120 öffnen diese (30% Open-Rate), wovon dann 10 Personen was klicken ist die CTOR = 12%

PS. Nich alle E-Mail-Service Anbieter definieren und kalkulieren die Dinge gleich! Wir haben dies aber in der Tabelle oben berücksichtigt.

Weitere Newsletter-Kennzahlen

Hier ein paar weitere Kennzahlen mit Erklärungen, welche von Interesse sind und berücksichtigt werden sollten.

Conversion Rate

Konversionsrate misst, wie viele Personen auf einen Link (z.B. call-to-action) geklickt und dann eine bestimmte Aktion ausgeführt haben.

Ein Beispiel ist, wenn Sie einen Link in Ihre E-Mail einfügen, über den Ihre Abonnenten an einem Verkauf am Black Friday teilnehmen können. Die Conversion Rate sagt Ihnen dann, wie viel Prozent der Personen, die auf den Link geklickt haben, einen Kauf getätigt haben.

Tipp: Diese Kennzahl ist hauptsächlich im B2C-Bereich relevant, insbesodere im E-Commerce-Bereich oder bei Mailings wie Tagesangeboten oder Ausverkauf-Aktionen. Im B2B jedoch spielt diese Kennzahl kaum eine Rolle.

Unsubscribes

Die Anzahl der Abbestellungen misst, wie viele Personen sich abgemeldet haben. Diese E-Mail-Metrik finden Sie normalerweise in Ihrem Haupt-Dashboard oder in Ihrem Metrik-Dashboard.

Es ist ganz normal, dass Leute sich aus Ihrer Mailingliste austragen. Interessen der Abonnenten ändern sich. Unsere Erfahrung zeigt, dass dies oft im Sommer geschieht. Wenn sie dann den Newsletter verschicken, haben einige Leser während der Sommerferien mehr Zeit und lesen den Newsletter genau. Dann kann es passieren, dass sie sich aus der Liste austragen. Doch lieber weniger Abonnenten, dafür solche, welche den Newsletter auch wollen, lesen und die URLs anklicken.

Bounce Rate / Absprungrate

Die Absprungrate misst, wie viele E-Mails nicht geliefert werden konnten. Soft Bounces verfolgen temporäre Probleme mit E-Mail-Adressen. Beispielsweise kann die E-Mail gerade wegen Server Problemen nicht zugestellt werden.
Hard Bounces zeigen permanente Probleme mit E-Mail-Adressen, z.B. existiert die E-Mail-Adresse nicht mehr, weil der Arbeitnehmer das Unternehmen verlassen hat.

10 Metriken zur Erfolgskontrolle von Newsletter-Inhalten
12 Metriken zur Erfolgskontrolle von Newsletter-Inhalten

List Growth Rate

Mit dieser Metrik können sie die Wachstumsrate Ihrer Liste verfolgen.

Sie können dies berechnen, indem Sie die Anzahl der neuen Abonnenten abzüglich der Anzahl der Abbestellungen nehmen, diese dann durch die Gesamtzahl der E-Mail-Adressen auf Ihrer Liste dividieren und dann mit 100 multiplizieren.

Was ist das beliebteste Gerät zum Lesen von E-Mails?

Auch diese Information ist von Interesse, denn Smartphone Leser klicken weniger oft auf URLs. Ebenfalls lesen diese Nutzer den Newsletter weniger genau, sie bevorzugen das Überfliegen von Inhalten. Dabei sind Überschriften und Schlagwörter wichtig. Damit erhält der Smartphone-Leser Informationen, die sein Interesse sofort wecken – oder nicht.

OrganisationSmartphone
Mobile
Laptop und
Desktop
TabletWebmail
Umfrage mit Konsumenten (Fluent)81 %10 %8 %
Adestra 201961.9 %9.8 %28.3 %
Litmus 201942 %18 %40 %
Wenn der Newsletter primär an Arbeitsadressen geht, ist es durchaus möglich, dass nur ca. 30% der Empfänger die E-Mail auf dem Handy lesen

In der obigen Tabelle zeigt die Webmail (siehe hier) Kolumne die Prozentzahl der Leser, welche deren Email auf dem PC in einem Browser (z.B. Firefox, Vivaldi) lesen. Das kann z.B. Gmail, Outlook oder Protonmail sein. Tun sie dies mit Hilfe einer App auf dem Handy, wird der Nutzer der Kategorie Smartphone/Mobile zugerechnet (siehe obigen Tabelle).

Top Newsletter Metrics Nr. 12: Öffnungen von Zielgruppen

Nachdem Sie diese beiden Metriken

  • Zustellbarkeit und
  • Öffnungsraten

ermittelt haben, ist auch von Interesse, von wem ein Newsletter geöffnet wird:

  • Anzahl Öffnungen von Kunden: Wer von unseren Kunden schaut öfters rein? Das System zeigt z.B. für Frau Müller 3 oder mehr Openings. Das bedeutet, sie hat die Inhalte genauer studiert.
  • Anzahl Öffnungen von möglichen Kunden: Gibt es Leute, welche die Inhalte mehrmals anschauen und sich vielleicht für eines der Produkte interessieren? (Um diese zwei Gruppen voneinander zu unterscheiden, haben Sie vielleicht zwei oder mehrere Mailinglisten).
Was sind die durchschnittlichen Klick- und Leseraten für E-Mail Newsletters?
Was sind die durchschnittlichen Klick- und Leseraten für E-Mail-Newsletter?

Schlussfolgerungen

Facebook, Instagram und Twitter haben eine Engagementrate von nicht einmal 0,6 %. Das bedeutet, dass Ihr Post oder Update normalerweise im Rauschen des Blätterwaldes völlig untergeht.

Auch bei LinkedIn oder Xing mag man wohl viele Views/Ansichten haben. Doch ob die Person sich langfristig daran erinnert oder ob dies die Bekannheit der Marke stärkt, darf hinterfragt werden. Wir haben dies im Beitrag LinkedIn ROI – lohnt es sich? analysiert.

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Öffnungsrate von E-Mails liegt bei 22,86 %. Die durchschnittliche Klickrate liegt bei 3,71 %. Raten von über 4 % sollten das Ziel sein. Lassen Sie sich aber nicht entmutigen: Da sind auch öffentliche Stellen und Non-Governmental Organisation (NGO) dabei, welche mit deren hohen Durchschnitten die Mittelwerte stark nach oben drücken.

Egal, in welchem Fachgebiet Sie sind, diese 3 Faktoren sollten Sie berücksichtigen:

  • Thema: Freizeit, Hobbies (z.B. Games, Mode und Sport) oder Arbeit (z.B. Recruiting, Marketing, Technologie)
  • Zielgruppe: Geschäftsleute, Firmen oder Privatpersonen
  • Mehrwert: Welche Inhalte sind für meine Leser interessant und bieten Mehrwert

Unsere Top 4 Metriken für Newsletter-Marketing

Unsere 12 Newsletter-Metriken können Sie zur Erfolgskontrolle einsetzen. Doch wir empfehlen Ihnen, sich auf diese 4 Top-Metriken unten zu fokussieren:

  1. Open Rate: Wenn die Empfänger die Newsletter im E-Mail-Postfach nicht anschauen, lassen Sie sich von unserer Expertise, Qualität oder tollem Produkt nicht beeinflussen.
  2. Click-Through Rate: Wieviele Leute, d.h. Prozentzahl, haben auf einen URL geklickt.
  3. Schreibweise: Prozentzahl der kurzen Sätze mit weniger als 16 Worten und Paragraphen mit 1 oder maximal 3 Sätzen sind eine weitere wichtige Kennzahl.
    Diese Kennzahl zeigt auf, wie leicht wir es dem Handy-Leser machen (müssen), die Beiträge zu überfliegen. Lange Sätze und Paragraphen sind bei Handy-Lesern sehr unbeliebt (Daten von PageTracker.drkpi.com).
  4. Informelles (konstruktives) Feedback: Wenn (potentielle) Kunden Feedback offerieren, ist das Gold wert. Beispielsweise, ein Kunde rief uns diese Woche an und sagte nebenbei, er hätte 2 Checklisten herunter geladen, die wir im Dezember-Newsletter angeboten hätten. Danach mit seinem Team geteilt.
    Solches Feedback wie auch Vorschläge für Verbesserungen von Lesern kommen nicht sehr oft. Sie sind aber meist ein sehr verlässlicher Indikator, welche Inhalte Leser schätzen und wo Verbesserungen ratsam sind.

Ultimativen Newsletter-Metrics-Guide mit Best Practice-Tipps als 👉 #drkpiCheck pdf Download (hier anklicken 👈

Zusätzlich lohnt es sich immer, diese Kennzahlen mit Benchmarks (z.B. im gleichen Land, mit Firmen in einer ähnlichen Branche usw.) zu vergleichen. Auch qualitatives Feedback von (möglichen) Kunden oder auch Freunden, die einen Newsletter wertvoll fanden, hilft.

Ein paar Zahlen zum Schluss

Daten aus dem Litmus 2020 State of Email Engagement zeigen:

  • 3.8 Std. – 9 Std. werden verwendet, um den Newsletter zusammen zu stellen (d.h. Fotos einfügen, Text formulieren, usw.).
  • 2.6 Std. werden im Schnitt benötigt, um die Analytics und Metrics nach dem Versand zu studieren.
  • 57% versenden den Newsletter mit Test-E-Mails bevor dieser dann an die Liste der Abonnenten verschickt wird.
  • 1 von 277 geöffneten Newsletters wird weiter geleitet, das sind 0.36%.

Eine Bitte haben wir

  • Welche 1-3 Faktoren sind die wichtigsten Kennzahlen oder Metriken, welche Sie für Ihren Newsletter nutzen?
  • Welche Taktiken haben sich bewährt?
  • Welchen Newsletter möchten Sie in Ihrer eigenen Inbox nicht missen. Warum schätzen Sie diesen Newsletter? URL erwünscht!

Wie hoch sind die Lieferkosten im Online-Shopping?
Warum und wie spielen Kosten und Komfort eine Rolle für Kunden und Anbieter?
Hat die Lebensmittellieferung via Internet-Bestellung nach der Corona-Pandemie noch eine Zukunft?

Dieser Beitrag fokussiert im Folgenden die oben genannten Themen und Trends mit Beispielen von Carrefour, Coop, Migros, Rewe, Target und Walmart.

Dies ist der ZWEITE Beitrag in einer Serie von 5 Beiträgen zu den Trends im Online Marketing, Sales und Analytics sowie Cybersecurity und Datenschutz:

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Online-Shopping: COVID-19 Auswirkungen

Das Online-Einkaufen ist sehr populär geworden. Bis jetzt hat dies auch sehr gut geklappt. Während der Coronakrise sind die Bestellungen jedoch über das Internet für tägliche Lebensmittel rasant gestiegen. Das hat zur Folge, dass einige Grossverteiler wie z.B. Migros oder Coop in der Schweiz der Nachfrage fast nicht nachkommen konnten. Dies hat sich zum Beispiel an mangelnden Liefertermienen für Kunden gezeigt, welche bis zu 7 Tage auf ihre Bestellungen warten mussten. Man wartet also mehrere Tage, bis die Milch oder der Getränkekasten nach Hause geliefert wird. Doch solche Engpässe sind während einer Krisensituation verständlich und werden in ein paar Monaten hoffentlich Geschichte sein.

Hintergrund und Geschichte

Direkte Bestellungen beim Lebensmittelhändler oder dem Laden eines Grossanbieters inklusive Lieferung nach Hause gibt es schon seit einigen Jahren. Hier eine Auswahl von wichtigen Eckpfeilern dieser Entwicklung.

  • 1985: Bestellung konnten morgens über das Telefon bei Safeway im Silicon Valley z.B. in Palo Alto getätigt werden. Möglich war die Lieferung für US$ 10 (US$ 5 für Rentner) am späten Nachmittag oder Abend an die Haustüre.
  • 1998: LeShop.ch, gegründet im Oktober 1997, als erster digitaler Supermarkt – Start-up – der Schweiz ging online. Im April 2006 wurde LeShop ein Teil von Migros und konnte dank dessen auch mit tiefen Erträgen überleben – Langzeitinvestition für Migros.
  • 1998: Der Hauslieferdienst Webvan wurde in San Francisco gegründet als ein Teil der „dot-com“ Blase, ein Lebensmittelgeschäft mit eigenen Lieferwagen. 2001 musste dieser nach 3 Jahren Betrieb Konkurs anmeldete. Bestellte Produkte wurden noch am selben Tag nach Wahl des Kunden innerhalb eines 30-Minuten-Fensters nach Hause geliefert, seiner Zeit voraus!
  • 2018: In den USA entdeckten „Brick-and-Mortar“ Verteiler wie WalMart oder Target die Möglichkeit, dass der Kunde seine Online Bestellung direkt beim lokalen Shop abholt.
  • 2018-04: Migros – Besitzer von LeShop – bringt die Social-Shopping-App Amigos raus. Diese Plattform nutzt die Idee der Gig Economy, d.h. Kunde und Lieferant finden über die Plattform zusammen (ähnlich wie bei Uber). Die Idee dahinter war Nachbarschaftshilfe, d.h. kostenlose Lieferung durch Freiwillige.
  • 2019-12-10: Migros stellte die Amigos Plattform ein, da sich diese immer mehr zu einer klassischen Plattform entwickelte, d.h. der Kunde bezahlt den Lieferant. Es gab bereits Apps, welche Bestellungen via Anruf aufnahmen und den Lieferanten als Partner von Migros vermittelten (siehe SmartLife von der Helvetia – Krankenkasse und Swisscom – Telekommunikation).
  • 2020-04: Die Coronakrise machte es möglich – die eingestellte Amigo Plattform ist zurück, siehe www.amigos.ch. Dieses Mal jedoch wieder primär als Dienstleistung und Nachbarschaftshilfe mit kostenloser Lieferung für Risikogruppen bezüglich COVID-19.
  • Die ­Amigos-Lieferanten stehen in keinem Arbeitsverhältnis mit dem Detailhändler oder der SmartLifeCare Vermittlung. Sie sind daher nicht versichert, wenn es zu einem Unfall auf dem Weg zum Kunden kommt. Die Kosten und Versicherung für Risiken wie eines Unfalls hat Migros immer noch ausgelagert.

PS. 2020 Entschied ein Gericht in Kalifornien, dass Deliveroo oder Uber-Fahrer wie Mitarbeiter behandelt und deren Sozialabgaben bezahlt werden müssen. Dieser Gerichtsentscheid wurde in Kalifornien mit der Annahme der Proposition 22 am 2020-11-03 ausgehebelt (siehe hier). Somit gelten diese Gig-Workers weiterhin als freie Mitarbeiter und müssen für ihre Altersvorsorge und Sozialabgaben weiterhin selber aufkommen. Im Gegensatz zu Australien, UK und der Schweiz, hier müssen Uber Sozialversicherungsbeiträge bezahlen, da Fahrer nach Arbeitsrecht nicht als Selbständige eingestuft werden.

Lieferkosten im Online-Shopping: Wegen Coronakrise lässt Migros die AMIGOS Plattform wieder auferstehen.
Lieferkosten im Online-Shopping: Wegen der Coronakrise lässt Migros die AMIGOS Plattform wieder auferstehen.

Online-Shopping: Fakten und Trends für 2021

Heute wird im US-Einzelhandel jeder zehnte Umsatz-Dollar online erarbeitet, Tendenz steigend. Einige Leute wagen die Prognose, dass dieser Anteil sich in den nächsten Jahren verdoppeln wird. Bis 2023 wollen US Detaillisten ein Wachstum von 65% im E-Commerce Bereich erarbeiten, d.h. ca 1,000 Mrd. US$ werden voraussichtlich online verkauft.

US-Verbraucher werden in diesem Jahr 190,47 Mrd. Dollar für Weihnachtseinkäufe (Nov/Dez) im E-Commerce ausgeben. Dies entspricht einem Anstieg von 35,8% und einem Umsatzzuwachs von 50 Mrd. Dollar gegenüber 2019 (siehe hier).

In Spanien sagen die Prognosen, dass bis 2025 der Anteil vom Online Handel 20% sein wird. Das hiesse, von den landesweit 700’000 Läden müssten wohl bis 120’000 Läden schliessen.

Wenn man den Kennzahlen des Einzelhändlers Target (USA) – dargestellt von John Mulligan (Vorstand für operative Angelegenheiten) – glaubt, können sich die Kostenersparnisse dank Pick-Up beim Händler für Migros oder Rewe sehen lassen. Unten ein paar Anhaltspunkte gemäss Berechnungen und veröffentlichten Zahlen von Target:

  • 100% Lieferkosten, wenn der Kunde im Migros E-Shop bestellt und zu Hause beliefert wird, dies geschieht meist von einem vorgelagerten Distributionszentrum aus,
  • 60% (Kostenersparnis 40%) wenn die Filiale die Ware liefert – oder Gig Economy Mitarbeiter z.B. der Plattform AMIGO (siehe oben),
  • 10% (Kostenersparnis 90%) wenn die Ware in der nächsten Migros oder Rewe-Filiale für den Kunden zur Abholung bereitgestellt wird.
Lieferkosten im Online-Shopping: Wer ist schneller und macht das ein Unterschied?
Lieferkosten im Online-Shopping: Wer ist schneller, macht das einen Unterschied?

3 Kundensegmente für die D-A-CH Region

Ein Kunde, der Komfort und Leistung sucht, bevorzugt vielleicht in der Stadt die bezahlte Lieferung. Das zweite Kundensegment für Online-Shopping sind primär Kunden in ländlichen Gegenden. Für Sie bietet das Online-Sortiment ein breites Angebot von Möglichkeiten, welche lokal oft nicht vorhanden sind.

Die dritte Gruppe ist preisbewusst, hätte aber gerne den Komfort bezüglich Zeitgewinnung. Die Lieferkosten für Online-Shopping werden vermieden, indem die bestellte Ware im Laden vom Kunden abgeholt wird. Der Minimumbetrag für die Bestellung fällt meistens weg. Hier kann der Händler oder Grossverteiler auch Zusatzservices mit höheren Gewinnmargen anbieten. Beispiele sind nach Wunsch zusammengestellte Zutaten, z.B. für das Abendessen, mit womöglich schon zubereiteten Beilagen wie Salaten.

Faktor/Trend 1: Komfort und Leistung

Ältere Kunden schätzen den Service aufgrund von eingeschränkter Mobilität, Millennials wegen des Komforts.

Im Abo: Keine Mindestlieferung, 1-3 Mal die Woche.

Zeit und Arbeit: Spart Zeit, dank geringem Aufpreis, kein Tragen der Ware nach Hause nötig.

Lieferkosten: Zu hohe Kosten schrecken Kunden ab, zu niedrige Liefergebühren machen es für Händler uneffizient.

Faktor/Trend 2: Verbesserung des Angebots

Leute in ländlichen Gebieten haben beim Einkaufen weniger Auswahl.

Breitgefächertes Angebot inklusive der Spezialangebote.

Urbanisierung: Kleine Gemeinden oder Weiler haben keinen Laden vor Ort.

Lieferkosten: Zu hohe Kosten schrecken Kunden ab, zu niedrige Liefergebühren machen es für Händler uneffizient.

Faktor/Trend 3: Preis und Komfort

Bestellung kann lokal oder im Lager zusammenstellt werden.

Schneller: Bestellung bis 11:30 Uhr oder noch später, Pick-Up ab 16 Uhr – inkl z.B. der Zutaten fürs Abendessen.

Umweltfreundlich: Kunden bringen eigene Taschen oder Behälter, d.h. es wird weniger Packmaterial benötigt.

Win-Win: Zeit-/Geldersparnis für Kunden, niedrige Lieferkosten für Händler.

Die obige Aufzählung zeigt, dass in der ersten Kolumne (Komfort und Leistung) die Kunden angetroffen werden, welche aus Zeitgründen oder wegen eingeschränkter Mobilität bereit sind, einen Aufpreis zu bezahlen, um diese Dienstleistung in Anspruch zu nehmen.

In Regionen, die von der Landflucht betroffen sind, ist die Lieferung nach Hause für die Bewohner besonders attraktiv, da lokale Anbebote limitiert oder überhaupt nicht vorhanden sind.

Bosco Gurin, eine kleine Ortschaft im Tessin, ist mit seinem kleinen Coop Einkaufsladen die Ausnahme. Hier gibt der Kunde seine Spezialwünsche am Vortag auf. Die Filialleiterin holt die Ware mit einem Coop Lieferwagen im grossen Coop im Tal ab, inklusive Spezialwünsche wie z.B. Produkte von der Fleischtheke. In diesem Coop Lieferwagen werden auch die Waren für den Verkauf im Laden mittransportiert.

Das heisst, dass Spezialangebot, welches aus Umsatz- oder Platzgründen nicht im Laden geführt wird, kann ich trotzdem auf Wunsch beziehen. Spezialwünsche können innerhalb von 24 Stunden im Laden abgeholt und bezahlt werden. Einfach, unkompliziert und ohne Internet :-). Auf diesem Wege verbessert der kleinste Coop der Schweiz das Angebot und die Servicequalität für seine Kunden signifikant, gleichzeitig steigert er den eigenen Umsatz.

Lieferkosten im Online-Shopping: Migros offeriert es im Abo.
Lieferkosten im Online-Shopping: Migros offeriert die Lieferung im Abo.

Schlussfolgerungen und 2 Fragen für Sie

Das Modell Amigos war in dieser Form für die Schweiz sicherlich einzigartig. Ob es auch wegweisend war (wie einige Bloggers behaupten), kann aber bezweifelt werden. Die Umsetzung wurde mehrfach preisgekrönt und räumte alleine am Best of Swiss Web 6 Preise ab wie auch den Gesamtpreis Master of Swiss Web 2019. Beim Digital Commerce Award 2019 kamen weitere 3 Preise hinzu, unter anderem der 1. Platz im Jurypreis “Best Feature”.

Das zeigt jedoch, dass solche Awards oder Ranglisten die Gewinner selten nach nachvollziehbaren Kriterien auswählen. Auch bedeuten gewonnene Preise noch lange nicht, dass sich der kommerzielle Erfolg automatisch einstellt. Ob die Amigos-Plattform nach der Coronakrise weiter bestehen wird, darf bezweifelt werden. Nichtsdestotrotz, die Online-Shops der grossen Lebensmittelhändler und der Nischenanbieter – z.B. Lieferung mit Fahrradkurier – werden dank vorhandener Nachfrage Gewinne erzielen können.

Übrigens, auch in Spanien erfreut sich während der Coronakrise der Online Handel immer grösserer Beliebtheit. Doch vielen Kunden und Kundinnen fehlt der mündliche Austausch. Hier machten einige Tante-Emma-Läden aus der Not eine Tugend. Der Onlineshop wurde erstellt, doch fehlt die Bestellfunktion. Statt dessen ruft man die Telefonnummer des Ladens an und hält noch einen kleinen Schwatz mit der Ladenbesitzerin. Die Ware wird am nächsten Tag geliefert.

Jetzt ziehen in Spanien auch Detailhandelsketten nach, wie Carrefour oder Mediamarkt. Sie richteten Telefonnummern zur Bestellaufnahme ein. Der Schwatz zwischen Kunden und Verkaufspersonal am Telefon wird wohl nicht so persönlich sein, wie mit dem Tante-Emma-Ladenbesitzer um die Ecke.

Zum Schluss haben wir zwei Fragen, zu denen wir Ihre Antworten liebend gerne als Kommentare unten im Blog lesen möchten. Folgende:

  • Lieferkosten im Online-Shopping: Müssen sich Händler Gedanken machen, inwiefern sie die Lieferkosten wegen der Konkurrenz vielleicht niedriger halten sollten? Sind Kunden bereit für den Komfort einen Aufpreis für die Lieferung per Online-Shop zu bezahlen – speziell für Lebensmittel?
  • Marktpotential im Online-Handel für Lebensmittel: Haben Sie bereits Lebensmittel online gekauft? Waren Sie zufrieden mit der Lieferung oder kam eine Flut von Verpackungsmaterial nach Hause? Denken Sie, dass die hohe Nachfrage in der D-A-CH Region weiterhin bestehen bleibt, auch nach überstandener Coronakrise?

Weitere interessante, im Beitrag erwähnte Ressourcen zum Thema